Project Calc: Alles nur mit Hardware | NovationMusic.com

Project Calc: Alles nur mit Hardware

Heutzutage mit Computern und Software zu arbeiten, fühlt sich an wie ein Kind im Süßigkeitenladen. Allerdings muss man sich dabei oft um so viele Dinge Gedanken machen, dass man kaum noch zum Musikmachen kommt. Deswegen habe ich mir ein reines Hardware-Setup aufgebaut. Damit habe ich alle Sounds, die ich brauche, direkt zur Verfügung und kann ohne Computer und ausschließlich mit meiner Hardware Musik machen. Es ist eine ziemliche Erleichterung und mit dem Octatrack kann ich spielen, wie mit einem echten Instrument. Ich habe einfach ein paar Geräte eingeschaltet und angefangen, Musik zu machen. Das war, als würde ich traditionelle akustische Instrumente spielen und ist das pure Vergnügen!

Ich habe einfach ein paar Geräte eingeschaltet und angefangen, Musik zu machen. Das war, als würde ich traditionelle akustische Instrumente spielen und macht wirklich Spaß!

Das Hardware-Setup

Die MIDI-Signale für alle Geräte werden durchgeschliffen, sodass ich jedes Teil ansprechen kann. Ich nutze den Octatrack als Hub oder „Gehirn“ und den Acht-Spur-MIDI-Sequenzer auch zur Kontrolle meiner Synthies. Meine Bass Station II und UltraNova sind direkt mit dem Octatrack verbunden. Zudem habe ich mein Launch Control XL an den MIDI-Eingang des Octatrack angeschlossen, sodass ich damit den Synth steuern kann. Das MIDI-Signal verläuft dabei folgendermaßen:

  • Launch Control XL MIDI-Out zum MIDI-In des Octatrack
  • Octatrack MIDI-Out zum UltraNova MIDI-In
  • UltraNova MIDI-Thru zur Bass Station II (Der MIDI-Thru spiegelt, was am MIDI-In von UltraNova empfangen wird)

Der Audiosignalfluss ist einfacher: Bass Station und UltraNova sind an die vier Audio-Eingänge des Octatrack angeschlossen, sodass ich deren Signale noch mit den Effekten aus dem Octatrack bearbeiten kann, z.B. mit Filter und Delays. Den zweiten Ausgang des Octatrack leite ich dann noch mal zurück an den externen Eingang der Bass Station II.. So kann ich ganz einfach individuelle Kanäle auswählen, die ich an den Cue-Ausgang des Octatrack sende. Damit wird es dann zum Beispiel möglich, Samples durch das analoge Filter und die Effekte von Bass Station II zu schicken. Ich kann Bass Stattion II auch als Filter-Bank verwenden.

Wofür der Laptop?

Ich erzeuge bei diesem Song alle Sounds nur mit der Hardware und setze die auch für meine Performance ein. Mit dem Computer nehme ich lediglich meine Audio-Signale auf und wandle das USB-Signal von Launch Control um.

Synthesizer mit Octatrack kontrollieren

Wenn ich meine Synthesizer über den Octatrack steuere, bekomme ich mehr Freiheit, um - während die Rhythmus-Spur weiterläuft - direkt an meinen MIDI-Sequenzen zu arbeiten oder Synthesizer-Parameter zu verändern. Octatrack ist ein Step-Sequenzer, der natürlich eine andere Herangehensweise an Aufnahmen erfordert, als bei Arbeiten mit einer DAW. Jeder Abschnitt oder Takt ist in 16 individuelle Steps unterteilt. Man kann dann auf jedem dieser Steps einen Trig setzen, der eine Note triggert.

Bei den Rhythmus-Parts habe ich Single-Shot-Samples und geloopte Samples in den Audio-Sequenzer des Octatracks geladen und diese dann auf den acht Sample-Audio-Spuren verteilt. Die eigentlichen Rhythmen entstanden durch die Trigs, die ich im Sequenzer entsprechend gesetzt habe. Für das MIDI-Sequenzing gilt der gleiche Ablauf. Ich platziere eine Note an der gewünschten Stelle und gebe als nächstes den Noten-Wert ein. Das klingt vielleicht ein wenig kompliziert, aber in der Praxis erweist es sich als ein sehr schneller Weg zu tollen Ergebnissen, vor allem, wenn man ein wenig Übung darin hat.

Wenn ich meine Synthesizer über den Octatrack steuere, bekomme ich mehr Freiheit, um - während die Rhythmus-Spur weiterläuft - direkt an meinen MIDI-Sequenzen zu arbeiten oder Synthesizer-Parameter zu verändern.

Ich kann auch Samples von jedem der Synthies direkt im Octatrack aufnehmen, aber eigentlich finde ich es viel besser, mit Parameter-Locks zu arbeiten, denn damit holst du alles aus den Geräten raus. Dank der P-Locks kann ich jeden individuellen Parameter mit jedem Step exklusiv verändern, sodass ich eine unglaubliche Kontrolle über wirklich jeden Aspekt einer Note bekomme, die gerade spielt. Es ist zum Beispiel möglich, dass ein Hall für einen Step aktiviert wird, danach aber nicht mehr erklingt.

Eine völlig neue Controller-Erfahrung

Das war eine richtige Erkenntnis für mich. Der Octatrack ist ein leistungsfähiges Performance-System, aber die Organisation der Spuren ist sehr Menü-basiert. Wenn ich einen Effekt-Parameter für Spur 6 ändern will, muss ich erst die Effekt-Seite auf Spur 6 auswählen. Das Gleiche gilt auch für die Pegel: Ich muss die gewünschte Spure auswählen, wenn ich deren Pegel veränden möchte. Wenn ich Launch Control XL mit dem Software-Editor programmieren, was wirklich sehr einfach geht, bekomme ich sofort die vollständige Kontrolle über verschiedene Spuren, ohne die erst umständlich auswählen zu müssen. Ich kann jetzt den Pegel von Spur 6 direkt mit Launch Control XL steuern. Im Editor sage ich dazu dem Fader einfach, dass er über MIDI CC 07 auf Kanal 6 ausgibt, fertig. Das ist ein völlig neues Controller-Erlebnis für mich, denn so einfach und komplett hatte ich den Octatrack bisher nicht unter Kontrolle. Ich kann direkt auf alle Pegel der Audi-Spuren zugreifen! Und eine weitere großartige Funktion sind die LEDs von Launch Control XL, dank derer ich sofort sehe, was ich gerade kontrolliere. Die beiden oberen Reihen nutze ich, um damit einen Filter-Effekt für alle acht Kanäle zu steuern, die untere Regler-Reihe dient dazu, den Delay-Send für jede Spur zu verändern. Pegel justiere ich logischerweise mit den Fadern und die 16 Tasten weiter unten setze ich zum Muten der Audio-Kanäle und der acht MIDI-Kanäle ein. Mit dem MIDI-Material programmiere ich mir verschiedene Sequenzen in unterschiedlichen Spuren. Spur 1 bis 4 übernimmt dabei die Kontrolle von Bass Station II über einen MIDI-Kanal. Die Spuren 5 bis 8 steuern auf gleiche Weise UltraNova. Damit stehen mir vier verschiedene Sequenzen zur Verfügung, die ich muten und unmuten kann, um damit mein Material zu erzeugen. Das ist letztlich genau so, wie das Triggern von Clips in Ableton Live.

Analoger Sound: digitaler Steuerung

Novation Bass Station II ist für mich mein aktueller Favoriten-Synthesizer und der am einfachsten zu benutzende Synth. Du nimmst ihn dir einfach und verstehst sofort, wie alles funktioniert. Und die klanglichen Möglichkeiten sind unbeschreiblich! Du kannst mithilfe der digitalen Steuerung Parameter automatisieren und damit interessante musikalische Effekte erzeugen. In meiner Performance habe ich zum Beispiel den Pitch des zweiten Oszillators damit verändert. Ich habe sowas vorher noch nicht ausprobiert, aber mit dem Parameter-Locks des Octatrack und der Automation wurde aus der eigentlich monofonen Bass Station II ein zweistimmiger Synth.

Novation Bass Station II ist für mich einer der am einfachsten zu benutzenden Synths, du nimmst ihn dir einfach und verstehst sofort, wie alles funktioniert. Und die klanglichen Möglichkeiten sind unbeschreiblich!

Novation Bass Station II ist für mich einer der am einfachsten zu benutzenden Synths, du nimmst ihn dir einfach und verstehst sofort, wie alles funktioniert. Und die klanglichen Möglichkeiten sind unbeschreiblich!

Am Ende des Tracks spiele ich zwei verschiedene Melodien und dabei wird der Pitch des zweiten Oszillators durch die Parameter-Locks gesteuert. Mein nächstes Projekt wird Bachs „Air on the G-string „ sein, aber mit Bass Station II. Das sollte kein Problem sein, denn wenn ich eine Bass Station II nehmen und dazu noch eine DAW, mit der ich externe Geräte automatisieren kann, habe ich alles, was ich brauche. Das ist noch etwas, was Bass Station II so einzigartig macht. Ich kenne keinen anderen analogen Mono-Synth, der eine vergleichbare Parameter-Automation durch eine DAW oder einen externen Sequenzer ermöglicht. Andere Mono-Synthesizer empfangen zwar MIDI-Noten, aber keinesfalls CC-Daten in einer ähnlichen Vielfalt. Es ist eine wunderbare Verbindung von analogem Klang mit digitaler Steuerung.

Das digitale Kraftpaket

Irgendwie gab es für mich eine Art Renaissance mit meiner Novation UltraNova. Ich habe UltraNova schon sehr oft verwendet, bin zwischendurch jedoch mehr auf dem analogen Tripp gewesen. UltraNova ist ja ein Digital-Synth, aber da steckt richtig Pfund drin. Damit kannst du opulente Synth-Sounds und fette Flächen zaubern, aber auch das ganze virtuell-analoge Zeugs ist richtig beeindruckend. In diesem Track habe ich einen virtuell-analogen Mono-Sound eingesetzt, der genauso fett klingt, wie der Rest. Ein anderer Aspekt, den ich an UltraNova sehr schätze sind die wirklich hochwertigen Effekte. Mit mehr als 20 verschiedenen Effekt-Arten hast du schon eine gute Auswahl und du kannst bis zu 5 davon auf beliebige Weise - also hintereinandern oder parallel - verschalten. Das ist ein Vorteil, den dir moderne Digital-Synthies liefern. In meiner Performance arbeite ich viel mit der Touch-Funktion von UltraNova. Damit kann ich Hall und Delays einschalten, indem ich einfach die Gummi-Regler über dem Display berühre. Das ermöglicht mir eine sehr dynamische Spielweise und ich kann die Sounds viel besser an die jeweilige Live-Situation anpassen. Das ist richtig cool!

Posted 1 year 6 months ago

Sign up for Novation News